Reiseleitung im Gespräch

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Von der ersten eigenen Reise bis zu persönlichen Highlights – unsere Reiseleitungen ganz privat.

Das Interview des Monats

„Venedig. Grandios, charmant und unvergessen.“

Reiseleiterin Christine Karmrodt im Interview

Ohne Eltern in die weite Welt – erinnern Sie sich an diese erste Reise?
Oha ja! Ich bin stolze acht Jahre und fahre ganz allein mit der Bahn zu Tante Edi und auf die Geste meiner Mutter am Bahnsteig ob eine Träne fließt schüttele ich grinsend den Kopf: warum traurig sein wenn ich verreisen darf! Aber die erste richtig große Reise folgte mit 16 Jahren im aufgepäppelten VW Bus mit Freunden. Die ganzen Sommerferien bis nach Griechenland! Das war der wirkliche Beginn einer großen Leidenschaft! Und ich ziehe noch heute vor meinen Eltern den Hut, die uns dieses Abenteuer erlaubt und zugetraut haben. Die sich damit begnügt haben ein mal pro Woche ein Lebenszeichen zu bekommen.

Diesen Abenteuern folgend wurde aus der Reisenden die Reiseleiterin?
Ja, vielleicht entstand das wirklich durch die oben geschilderten Erlebnisse. Heute würde ich behaupten, es ist das, was ich kann und liebe.

Und in welchem Land leben Sie diese Reiseliebe aus?
In Italien. Auch wenn mein Stipendium mich seinerzeit nach Venedig führte, ist meine Wahlheimat Sizilien. Aber auch Rom und Neapel gehören zu meinen Reisezielen. In Frankreichs traumhafter Provence habe ich meine allererste Reise unternommen und auch der keltische Norden des Landes hat seine Reize.

Gab es das eine, besondere Erlebnis, das Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie an Ihre Reisen durch Italien denken?
… wir sitzen in einem privaten Bötchen auf dem Canal Grande in Venezia und erwarten die Regatta storica. Dass wir inzwischen halb verhungert waren registrierten wohl auch unsere größeren Bootsnachbarn: einer sprang in den Canale, sein Amico stellte einen Teller leckerer „pasta con vongole“ auf die aus dem Wasser ragende Hand und so schwamm der unbekannte Casanova zu unserem Boot und rettet uns vor dem Hungertod in Venedig. Grandios, charmant und unvergessen.

Mit diesem Erlebnis lässt Sie Italien vermutlich auch nicht mehr los.
Stimmt. Auch, weil die Sprache der Weg ins Innere des Landes ist, die Gespräche mit Händen und Füßen bis heute jedesmal ein besonderes Lebensgefühl wecken. Die unendliche kulturelle Vielfalt Italiens muß ich wohl nicht erwähnen. Themen ohne Ende in einem alten Land und in einem schwierigen Heute. Und natürlich die Küche!

Gibt es einen Tipp von Ihnen für uns Italien-Entdecker?
Gern. Wenigstens einmal mit nackten Füßen auf den sandigen Kieseln am Meer und den Blick zurück auf den schneebedeckten mächtigen dampfenden Etna. Beeindruckend – wohl auch schon für die alten Griechen. Am besten am späten Nachmittag, fast schon kitschig, wäre es nicht schlicht diese grandiose Natur.

Und nach der Reise? Was macht eine Frau Kamrodt, wenn Sie nicht Reiseleiterin ist?
Endlich mal Freunde treffen, oft auch zu Freunden „reisen“. Und lange Spaziergänge mit unserem Hund, gemütliche Leseabende auf dem Sofa, ins Kino gehen und natürlich mich zuhause mal wieder „updaten“.

Weitere Gespräche

Josef Michael Daum: „Auf der Suche nach dem richtigen Weg durch Spanien.``

„Auf der Suche nach dem richtigen Weg durch Spanien.``

Reiseleiter Josef Michael Daum im Interview

Herr Daum, Urlaub kann auch Abenteuer sein – erinnern Sie sich an ein aufregendes Ereignis aus Ihren Urlaubanfängen?
Oh ja! Ein Freund und ich gingen zum Zelten und beim Versuch den Kocher in Gang zu setzen geriet die Benzinflasche in Brand. Ich schleuderte sie voller Panik von mir und sie landete einen halben Meter neben dem Nachbarzelt! Eine Katastrophe ging an uns vorbei …

Als Reiseleiter erleben wir Sie in Spanien und den USA, doch da war noch mehr.
Beim Spielen wollte ich immer Taktgeber sein und „wehe“ wenn ich es nicht wurde! So war ich letztlich dann Schulleiter an Gymnasien im In- und Ausland. Auch als Reiseleiter bereitet es mir einfach Freude, mein Wissen mit anderen zu teilen und immer wieder Neues zu entdecken. Gelangweilte Routine kenne ich nicht.

Ihr erster Einsatz in Spanien. Hat dort auch etwas Feuer gefangen?
Nein, aber mein damaliges Minimalwissen der spanischen Sprache geriet beim ersten Anwendungsversuch mit einem Verkehrspolizisten derart ins Schleudern, dass ich mich wundere, warum ich nicht immer noch den Weg suche.

Und was ist heute für Sie nach all den Jahren das Faszinierende an Spanien?
Es bietet mir immer wieder neue Facetten und ein unerschöpfliches Angebot an Zielen!

Zu guter Letzt: Liegt Ihre schönste, private Reise noch vor oder schon hinter Ihnen? Und was machen Sie, wenn Sie einmal nicht „on tour” sind?
Wir haben sehr viele schöne Reisen gemacht und vor jeder Reise liegt eine Erwartung an neue schöne Erlebnisse, doch das „schönste“ ist schwer zu erfassen. Und wenn ich nicht verreise, dann bleibt da Lesen, Putzen, Kochen und München genießen … eben alles, was ein Pensionistendasein bietet.

Ralf Doepke: „Südafrika – mein Herz gehört hierher.``

„Südafrika – mein Herz gehört hierher.``

Reiseleiter Ralf Doepke im Interview

Das erste mal ohne Eltern in den Urlaub – erinnern Sie sich?
Meine erste eigene Reise war nach Spanien, Costa Brava. Erster Flug, erstes mal neue Kultur und die Freude, neue Menschen kennen zu lernen. Ich durfte auf dieser Reise Menschen aus England, Norwegen, Dänemark und natürlich auch Spanien kennenlernen – das war super!

Eine gute Grundlage für den Start ins Leben als Reiseleiter?
Ja, wirklich, nach meiner ersten Reise hatte mich der Reisevirus erfasst. Ich wollte reisen! Von Beruf bin ich Kaufmann und konnte in meinem Beruf viel Reisen. USA, Europa, Asien. Ich merkte schnell „das ist mein Beruf“! Vor 23 Jahre habe ich als Guide angefangen und bin heute begeistert wie am ersten Tag. Menschen, Kulturen, neue Eindrücke … und Menschen glücklich machen.

Die Reise 1 als Reiseleiter war vermutlich mit viel Lampenfieber verbunden, oder?
Es war alles neu. Ich konnte kein Spanisch und bin doch auf die Menschen zugegangen. Sie waren immer sehr nett und hilfsbereit. Kommunikation ohne große Worte und doch an das Ziel kommen.

Wir erleben Sie in Südafrika, Zambia und Swaziland und Sie leben auch in Afrika.
Ja, ich lebe jetzt seit 35 Jahren in Südafrika, habe von hier die „Welt“ kennengelernt. Als Vertriebskaufmann konnte ich wie oben schon erwähnt in alle Teile der Welt reisen. Doch nach Südafrika zieht es mich nach wie vor: das Land, die Menschen, die Freundlichkeit, die Kulturen – mein Herz gehört hierher. Wenn immer ich zurück komme, bin ich zu Hause. Es ist meine Heimat geworden! Ich liebe es, Menschen von Südafrika zu erzählen und durch das Land zu führen. Viele kommen wieder, da sie dieses Land auch lieben lernen.

Der Ort in Südafrika, den jeder Mensch gesehen haben sollte ist...?
Johannesburg! Hier habe ich viele Jahre gelebt. Johannesburg ist der Schmelzpunkt der Nationen. Jeder kommt hierher, um Geld zu verdienen. Die Hotels sind Spitzenklasse und die Restaurants hervorragend. Reich und Arm … Soweto hat so viele Facetten – das muss man erleben.

Ein anderer Kontinent? Oder lieber ein gutes Buch auf dem heimischen Sofa – was kommt, wenn Sie als Reiseleiter nicht gefordert werden?
Beides. Ich war noch nie in Skandinavien, außer in Dänemark. Ich würde gerne einmal Norwegen, Finnland und Schweden bereisen. Es reizt mich, die verschiedenen Lebensarten, Fjorde, Wälder und Menschen kennen zu lernen.
Ja und dann lese ich viel. Gerne Bücher über andere Länder, aber auch gute Krimis. Ich fahre auch gern in die Wildreservate und liebe den Afrikanischen Busch.

Zu guter Letzt: Geht es denn noch einmal zurück nach Deutschland?
Vermutlich nicht. Ich bin hier verwurzelt, liebe das Land und genieße es. Ich freue mich, Gästen aus Deutschland Südafrika näher zu bringen. Mein Beruf ist mein Leben und es freut mich immer, wenn die Gäste glücklich nach Hause fliegen.

Almuth Intemann: „Charmantes Barcelona auf Nebenstrecken``

„Charmantes Barcelona auf Nebenstrecken``

Reiseleiterin Almuth Intemann im Interview

Es gibt für alles ein erstes mal – wohin ging Ihre erste Reise ohne Eltern? Ich war in Griechenland mit dem Rucksack, habe mit zwei Freundinnen am Strand geschlafen und mich frei und gut gefühlt!

Und vom Strand zum Reiseleiter war es dann nur ein kurzer Weg? Nicht ganz. Ich liebe es zu reisen, Dinge zu entdecken und gleichzeitig bin ich Lehrerin. Mir macht Vermittlung von Wissen an andere Spaß und ich arbeite gern mit Menschen, die mir zuhören.

Wo dürfen wir Sie erleben? In Spanien. Ich lebe seit vielen Jahren in Barcelona.

Das hört sich gut an, wie kam es dazu? Ich hatte ein Stipendium an der Uni von Barcelona, habe durch meinen längeren Aufenthalt damals die Stadt ganz anders kennen gelernt, als es heute Touristen tun. Mittlerweile habe ich hier meine Freunde, mein soziales Netzwerk, meinen Partner. Ich liebe das Meer, ich habe es vor der Tür, die Berge und die Weingegend sind nicht weit und die tiefe Kultur berührt mich. Barcelona ist einfach ideal für mich, um hier zu leben. All dies ist auch ein Grund, warum ich meine Gruppen immer etwas auf den „Nebenstrecken” durch Barcelona führe, damit sie den Charme dieser Stadt besser erahnen können, als es die übrigen Touristen tun werden.

Sie erwähnen die Berge, die Weingegend … wohin sollten wir außerhalb Barcelonas genau fahren? Natürlich ist nicht nur Barcelona und Montserrat einen Besuch wert – jeder sollte sich aufmachen in den Norden, an das Cap de Creus, wo sich die wilde Küste befindet. Oder ins Priorat, nordwestlich von Barcelona, wo hügelige Landschaften von Weinbergen bedeckt sind. Ganz klar, es gibt so viele schöne Dinge auf der Welt, vieles sogar um die Ecke!

Sie sind also weiterhin auf Entdeckungsreise? Richtig – ich bin viel gereist und werde es auch weiterhin tun. Doch in Barcelona, wenn ich zu Hause bin, genieße ich es mit Freunden zusammen zu sein, ins Kino zu gehen, zu lesen, kochen oder zu nähen ...

Olaf Kock: „Ich fühle mich überall zu Hause``

„Ich fühle mich überall zu Hause``

Reiseleiter Olaf Kock im Interview

Herr Kock, erinnen Sie sich noch an Ihre erste Reise ohne Eltern?

Am Ende meiner Schulzeit habe ich mit Klassenkameraden eine Reise nach Lloret de Mar mit Ausflügen nach Barcelona und zum Montserrat gemacht. Die erste Reise, die ich dann so ganz allein unternommen habe, war ein Geschenk zum Abitur: eine Reise nach Paris – eine Stadt, die mich sehr beeindruckt hat.

Von der Stadt der Liebe zum Reiseleiter? Wie kam es dazu?
Im Geschichtsstudium habe ich an einem Seminar “Erläuterung historischer Stadtbilder” teilgenommen. Ein Kommilitone hat mich dann gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, als Studienreiseleiter zu arbeiten und das habe ich dann direkt nach meinem Examen auch wirklich getan. An diesem Beruf begeistert mich, mit Menschen zu reisen, die gerne viel über Land und Leute erfahren möchten. Mir macht es auch Spaß, mich in den Zielgebieten mit den Einheimischen zu unterhalten und vieles von dem, was ich dabei erfahre, an meine Gäste weiterzugeben.

Und in welchem Reiseland erleben wir Sie?
Ich bin im Moment viel in Zentralspanien unterwegs, man kann mich aber auch in Andalusien treffen oder in Lateinamerika, wenn ich dort eingesetzt werde. Zu den Zielgebieten in Lateinamerika gehören Mexiko, Guatemala, Ecuador, Argentinien und Chile.

Warum lassen Sie diese Länder nicht mehr los?
Oh, in Spanien fasziniert mich die Lebensweise und das Essen, in Argentinien und Chile die Landschaften, in Mexiko die unterschiedlichen vorspanischen Kulturen ... ich mag alle Länder, in die ich gefahren bin und ich freue mich immer, wenn ich wieder dorthin reise.

Welche Tipps gibt es von Ihnen, wenn es um die Qual der Wahl geht? Was sollte ich nicht verpassen?
In Zentralspanien sollte jeder in Toledo gewesen sein, die Stadt strömt noch immer etwas von der „Convivencia”, dem Zusammenleben der Kulturen aus.
In Mexiko mag ich am liebsten die Ausgrabungsstätte „Monte Alban” in Oaxaca. Wenn man morgens früh durch die Ruinen geht, strömt dort auch etwas aus, was die alten Kulturen dazu gebracht haben mag, gerade dort diese Stätte zu errichten.
Buenos Aires in Argentinien ist eine herrlich lebendige Stadt und der Tango ist dort an vielen Orten zu erleben.

Sie sind viel unterwegs. Was brauchen Sie, um sich auch auf Reisen zu Hause zu fühlen?

Ich fühle mich überall auf der Welt zu Hause, wenn ich nette Menschen um mich habe, sowie guten Wein und leckeres Essen genießen kann.

Und was machen Sie, wenn Sie dann doch einmal zu Hause sind?
Wenn ich zu Hause bin, widme ich mich der Musik. Ich habe eine Gesangsausbildung und leite einen Posaunenchor in meiner evangelsichen Kirchengemeinde. Dort bin ich auch im Kirchenvorstand – oder wie es in Westfalen heißt „Presbyterium“ – aktiv und bin auch für den kirchlichen Friedhof zuständig.

Stefan Auth: „Unterwegs mit einem philosophischen Förster“

„Unterwegs mit einem philosopischen Förster“

Reiseleiter Stefan Auth im Interview

Die Reise beginnt. Wohin zogen Sie aus, das erste mal, ohne Eltern?
Noch bevor ich 20 war wollte ich in ‚die Wildnis‘ und suchte mir Irland aus. Ich stiefelte mit dem Zelt durch Connemara - heute würde man das ‚Trekkingtour‘ nennen. Die Hochkreuze haben mir imponiert. Angenehm, dass unweit von Hochkreuzen immer ein Pub zu finden war …

War es ein weiter Weg vom Pub zum Reiseleiter?
Ich bin Förster von Beruf, habe in den USA gearbeitet und kam dort in Kontakt mit dem Reisen leiten. Anfangs habe ich es mir nicht gut vorstellen können, meine Leidenschaft, das Reisen, zum Beruf zu machen … Mittlerweile weiß ich wohl, dass ich auf vielen Reisen häufiger im Wald bin als meine Förster-Kollegen.

Und in welchen Wäldern sind Sie mit uns unterwegs?
Zum Beispiel in Irland oder Großbritannien.

Welcher „Wald“ dieser Länder ist Ihnen denn der liebste?
Irland ist für mich ein Gefühl, das ich überall unmittelbar abrufen kann, wenn ich traditionelle irische Musik höre: das Schreiten über weichen, grünen Boden hinein in eine große Freiheit mit einem Lächeln auf den Lippen

Irland scheint Sie gefangen genommen zu haben.
Ja, wenn ich irischen Boden betrete, habe ich das Gefühl, ich bin einer von ihnen.

Was könnten Sie uns empfehlen, wenn wir das einzigartige, besondere Irland suchen?
Einen Tag auf den Aran Inseln! Auf der knapp 100 m hohen Steilklippe vom bronzezeitlichen Fort Dun Aengus stehen, über 3000 Jahre alter Kulturboden unter mir und über 3000 Km Meer vor mir - bis Amerika, einzigartig.

Sie sind viel unterwegs. Was brauchen Sie, um sich auch auf Reisen zu Hause zu fühlen?
Ich fühle mich überall auf der Welt zu Hause, wenn ich mit dem Busfahrer lachen kann oder meine Gäste im Bus mit Musik erfreuen kann, die mir selbst gefällt. Und Yoga machen auf dem Hotelzimmer.

Elisabeth Völling: „Verliebt in Schottland.“

``Verliebt in Schottland.``

Reiseleiterin Elisabeth Völling im Interview

Die erste Reise ohne Eltern ging nach…
Meine erste eigene Reise fand im Jahr 1974 statt. Eine Schulfreundin fragte mich in der 10. Klasse des Mädchengymnasiums, ob ich mit ihr eine organisierte Busfahrt nach Paris machen wollte. Sacré-Cœur, Moulin Rouge und Eiffelturm. Wir konnten noch einige Mädels dazu gewinnen und prahlten in der Tanzstunde vor den Jungs über unsere bevorstehende Reise. Was ein Zufall: sie fuhren auch nach Paris. Zur selben Zeit, an dieselben Orte . . . wir sitzen alle im selben Bus! Wie haben wir diese Zeit genossen! Aus einem Tanzstundenpaar wurde später ein Ehepaar und unsere gemeinsamen Abende in der Académie de la Bière am Boulevard de Port-Royal bleiben unvergessen, pour toujours.

Das hört sich großartig an! Vom Mädchengymnasium zur Reiseleiterin – was macht den Reiz dieses Berufes für Sie aus?
Während meiner langjährigen Dozententätigkeit habe ich verschiedene Kulturen aus Büchern und an Hand von Bildern vermittelt. Als Reiseleiterin stehe ich inmitten einer Landschaft, vor Weltkulturerbe und auch mal im Stau. Das authentische Erlebnis mit wichtigen und unwichtigen Informationen zu bereichern begeistert mich ebenso wie der Kontakt zu meiner Gruppe und den Einheimischen. Und wenn die Gastfreundschaft zu einer Liebe wird, die durch den Magen geht, bleibt das im Gedächtnis, für immer.

Die Gastfreundschaft, die zu einer Liebe wird, wo können wir die mit Ihnen erleben?
In Schottland und Nordengland sowie in verschiedenen Ländern Südosteuropas.

Haben Sie ein Beispiel für uns, was uns abhängig machen kann – im positiven Sinne? Verliebt?
Mit viel Glück gerät man bei einer Schottlandreise in die Highland Games. Traditionelle Highland-Sportarten wie Baumstammwerfen, Tauziehen und Hammerwerfen werden mit den Highland-Tänzen und einem Wettbewerb zur Wahl des schönsten Haustieres veranstaltet. Das Baumstammwerfen - caber toss - ist alles andere als einfach: Der Werfer balanciert den fünf bis sechs Meter langen Baumstamm zunächst beidhändig senkrecht vor seinem Körper. Dann nimmt er Anlauf und wirft den Stamm so von sich, dass er sich in der Luft um 180 Grad dreht. Nicht die Weite entscheidet über den Sieger, sondern eine möglichst gerade Wurflinie! Das Erlebnis kann keine noch so gute Erklärung ersetzen, es bleibt im Gedächtnis, forever.

Aber da ist vermutlich noch mehr? Etwas „übergeordnetes“ liebens- und lebenswertes?
Ja, sicher: Die Briten und ihr berüchtigter Humor sind ein unschlagbares Team. Es lockert die ‚German Angst‘ und die Gesichtsmuskeln. Je brisanter eine Situation, desto schärfer ist der Humor. Das steckt an, doch leider wird beim Verlassen der Insel der Spaß wieder beiseite gelegt: er wäre doch ein so angenehmes Souvenir!

Und was sollte ein Besucher sich nicht entgehen lassen?
Solange es den Golfstrom gibt, ist die mediterrane Vegetation im hohen Norden Schottlands ein besonderes Highlight. Auf einem kargen Hügel wurde der Inverewe Garden mit Pflanzen aus aller Welt angelegt. Bambus, Eukalyptus und Palmen gedeihen auf demselben Breitengrad wie Südnorwegen.

Da fällt mir ein: das Wetter. Potenziell abschreckend?
Ach i-wo. Jeder Inselreisende lernt einen ‚Drizzle‘ (Nieselregen) zu schätzen, wenn es ‚Katzen und Hunde‘ regnet. Das ist schönes Wetter – nur für Enten, so der britische Humor. Öffnet sich der Himmel zu einem ‚Bucket-down‘ oder einem ‚Teeming‘, dann schüttet es kräftig und kommt dann noch ein starker Wind auf ‚regnet es seitwärts‘: Das führt häufig zu ‚Durchnässung‘. So genießt man in einem ‚sunshower‘ die Leichtigkeit des britischen Inseldaseins, während ein Drizzle zum besten Wetter avanciert – nicht nur für Enten.

Gab es schon Gruppen, aus denen Freundschaft entstanden ist?
Schon während einer Reise belebt so manche Begegnung die Gemeinschaft. Eine kleine Gruppe meiner allerersten Reise pflegt den Kontakt seit 2015 bis heute: Reisebilder erreichen uns aus allen Himmelsrichtungen mit einem Standortcheck und einem Update zum persönlichen Wohlergehen.

Auf Reisen fühle ich mich so richtig wohl, wenn ...
… ich mit netten Leuten bei einem ‚pint of beer‘ über Gott und die Welt rede.

Liegt die schönste Reise Ihres Lebens noch vor oder schon hinter Ihnen?
Während meines Studiums habe ich den Nahen Osten bereist und im Irak an archäologischen Ausgrabungen teilgenommen. Diese Welt liegt heute in Trümmern. Die Wiege der Menschheit an Euphrat und Tigris wieder bereisen zu können ist mit der großen Hoffnung auf Frieden verbunden. Wenn dieser Wunsch in Erfüllung geht, liegt die schönste Reise meines Lebens noch vor mir.

Zu guter Letzt: was macht eine Reiseleiterin, wenn sie nicht auf Reisen ist?
Nach längerer Abwesenheit freue ich mich auf ein Treffen mit meinen Kindern und Freunden. Laufende Projekte zur Kunst werden wiederaufgenommen, Kochabende arrangiert und Ausstellungen besucht.